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Presseartikel zum Benefiz-Konzert am 18.04.2026

Musik für den guten Zweck: Benefizkonzert in der Mannheimer Schlosskirche

Zusätzliche Stühle sind rasch aufgestellt: Rappelvoll ist die Mannheimer Schlosskirche am Samstagnachmittag. „Das seh ich selten.“ Verschmitzt begrüßt Alexander Wischniewski das Publikum gleich in zweierlei Funktion – als Priester der altkatholischen Gemeinde sowie als stellvertretender Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbandes. Den Menschen in Mannheim, denen es nicht so gut gehe, zu helfen, darum sei man in „dieser wunderbaren musiktraditionsbehafteten Kirche“ zusammengekommen.

Monika Kulczinski, Vorsitzende des mitgliederstarken Richard-Wagner-Verbandes Mannheim-Kurpfalz, hat zugunsten von „Wir wollen helfen“, der Hilfsaktion des „Mannheimer Morgen“, ein hochkarätiges Benefizkonzert organisiert. Gekommen sind neben Kulturbürgermeister Thorsten Riehle und Opernintendant Albrecht Puhlmann auch Stadträte, zahlreiche Bloomäuler und Musikliebhaber.

Die Künstler musizieren ohne Gage. So kann man sich mit dem Schirmherren Markus Haass, ehemaliger Chefarzt der Kardiologie am Theresienkrankenhaus und Vorsitzender der Heinrich-Vetter-Stiftung, darüber freuen, dass wohl mit einer Summe von mehr als 10.000 Euro zu rechnen ist.

Doch nicht nur den Bedürftigen in Mannheim komme das Benefizkonzert zugute, es stärke auch die Resilienz der Zuhörer. „Musik verbindet, wärmt Herzen, macht gute Laune in einer aus humanistischer Sicht aus dem Rhythmus geratenen Welt.“ So spricht der Herz-Experte und verordnet gleich, die aktuellen Nachrichten doch mal wegzulassen, um dafür lieber Musik zu hören. „Sie schlafen dann viel besser, und morgen ist eh alles schon wieder anders“, verweist er auf die derzeit ernste Lage in der internationalen Politik.

Zur allgemeinen Erheiterung verrät Monika Kulczinski ihren Traum, zusammen mit Bariton Joachim Goltz eine „Arie aus Verdis La Traviata zu singen“. Doch um den Erfolg der Benefizaktion nicht zu gefährden, habe sie sich dann doch entschieden, lieber 60 Vogelhäuschen zu bemalen, die für den guten Zweck zum Verkauf stünden. Die gehen nach dem Konzert weg wie warme Semmeln.

Und der beliebte Mannheimer Bariton kann nach einer beschwingt und temporeich musizierten Ouvertüre zu Mozarts „Hochzeit des Figaro“ getrost allein den Gesangsreigen mit der Figaro-Arie „Non piu andrai“ eröffnen, um dann als herzensbrechender Don Giovanni nicht nur mit Zerlina, sondern mit den Damen im Publikum zu charmieren. Da ist sogar ein Küsschen drin.

Musikalisch begleiten der ehemalige Konzertmeister des Nationaltheaterorchesters Robert Frank, Susanne und Stephanie Phieler (Geige und Viola), die beiden NTM-Orchestermusiker Frank Ringleb am Kontrabass und Fritjof von Gagern am Cello. Der zelebriert später zusammen mit dem ehemaligen Chorleiter Georg Metz am Klavier Monika Kulczinski zu Ehren einen beseelten Schwan aus Saint-Saëns' Suite „Karneval der Tiere“.

In drei Blöcke haben die Künstler ihr abwechslungsreiches Programm unterteilt, in dem weder ein Werk von Richard Wagner noch von Giuseppe Verdi vorkommt, dafür aber Arien und Duette aus Opern von Mozart, Puccini, Bizet sowie italienischer Belcanto und deutsche Operette. So können die Solisten eindrucksvoll ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen.

Neben Joachim Goltz singt der international erfolgreiche georgische Tenor Irakli Kakhidze, der am Nationaltheater in den großen italienischen Heldenpartien begeistert (im Mai ist er in der Neuinzenierung „Nabucco“ zu hören), sowie Koloratursopran Amelia Scicolone (bei den Schwetzinger Festspielen als Euridice in Monteverdis „Orfeo“) und die junge Mezzosopranistin Rommie Rochell, Mitglied am Internationalen Opernstudio, die in Bizets „Le Docteur Miracle“ am NTM die Partie der Veronique übernimmt.

Es ist ja gute Tradition des Richard-Wagner-Verbandes, jungen Künstlern eine öffentliche Plattform zu geben. Rommie Rochell vermag das perfekt zu nutzen. Mit ihrem satten, weich timbrierten Mezzo gestaltet sie einen charmanten Cherubino (aus Mozarts „Figaros Hochzeit“), eine verführerische „Sequidilla“ der Carmen sowie eine dramatisch mitreißende Leonora aus Gaetano Donizettis selten gespielter Oper „La Favorite“.

Amelia Scicolone glänzt als herzzerreißende Lauretta aus Puccinis „Gianni Schicchi“ und mit perlenden Koloraturen und Spitzentönen als Julia in Gounods Oper „Romeo und Julia“ sowie als kokette Marie in Donizettis „Regimentstochter“. Kakhidze platziert gekonnt sein hohes „h“ in Puccinis „Nessun dorma“. Mit „Dein ist mein ganzes Herz“ (aus Lehàrs Operette „Das Land des Lächelns“) sowie zusammen mit Goltz im berühmten „Perlenfischer“-Duett „Au fond du temple saint“ lässt er das Publikum dahinschmelzen.

„Was für Stimmen!“, bleibt da Peter W. Ragge zu schwärmen. Als zweiter Vorsitzender des „MM“-Hilfsvereins resumiert er kurz die 60-jährige Geschichte eines der ältesten bundesdeutschen Sozialwerke, das armen, älteren Menschen und Kindern mit Gutscheinen und Spielzeug vor allem zu Weihnachten und Ostern eine kleine Freude bereitet.

„Wir können nur helfen, weil Sie helfen“, sagt er und dankt Künstlern, Organisatoren, Sponsoren und Spendern, „die sich auch in nicht so guten Zeiten in den Dienst der Stadt und der guten Sache stellen.“ Darauf ein „Stoßt an“ mit dem „Fledermaus“-Finale.

 

(Susanne Kaulich / Mannheimer Morgen 21.04.2026)

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